Programm

13. März 2026

18 Uhr

Empfang

Mit Sekt, Wasser und Saft

18:30 – 19 Uhr

Grußwort

Vorstand der DFT

19 – 21:30 Uhr

Grosser Saal

Hauptvortrag: Psychodyamische Kurzzeittherapie 

Univ.-Prof. Dr. phil. Sylke Andreas, Dipl.-Psych

22 Uhr

Ende der Veranstaltung

14. März 2026

9 – 10:30 Uhr

Großer Saal

Vortrag: Ressourcenorientierung in der psychodynamischen Therapie 

PD. Dr. Med. Wolfgang Wöller

Der Vortrag stellt eine ressourcenorientierte psychodynamische Behandlungskonzeption vor, die stärker als traditionelle psychodynamische Therapieformen die Aktivierung positiver Beziehungsrepräsentanzen und die Gestaltung einer kooperativen therapeutischen Beziehung im Blick hat. Wir verfügen über vielfältige Möglichkeiten, eine ressourcenorientierte therapeutische Haltung mit einem psychodynamischen Grundverständnis zu verbinden und ressourcenbasierte Interventionen in das Repertoire psychotherapeutischer Behandlungstechniken aufzunehmen. Bei Konfliktpathologien kann eine ressourcenorientierte Beziehungsgestaltung den Zugang zu negativen Emotionen und unbewussten Konflikten erleichtern. Patienten mit Traumafolgestörungen und Persönlichkeitsstörungen können von ressourcenbasierten Interventionen zur Stimmungsregulierung und zur Stärkung von Ich-Funktionen profitieren.

Über den Referenten

PD. Dr. Wolfgang Wöller ist psychodynamisch orientierter ärztlicher Psychotherapeut. Er ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie für Neurologie und Psychiatrie, Psychoanalytiker (DGPT, DPG), Lehranalytiker und EMDR-Supervisor. Bis Ende 2017 war ich Dozent für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Ärztlicher Direktor der Rhein-Klinik, einer Klinik für Psychosomatische Medizin in Bad Honnef bei Bonn. Seit 2018 ist er vorwiegend als Supervisor für Kliniken und Psychotherapeuten sowie als Berater und Trainer in Forschungsprojekten tätig. Seine Tätigkeit im Bereich der psychotherapeutischen Weiterbildung umfasst Vorträge, Seminare und Workshops auf nationaler und internationaler Ebene.

10:30 – 11 Uhr

Kaffeepause

11 – 12:30 Uhr

Giebelsaal

Salon

Seminarraum 1

Seminarraum 3

Seminarraum 4

Workshops

Raum wird noch bekanntgegeben

Workshop 1

Einführung in die Brief Dynamic Interpersonal Therapy (DIT): ein interpersonelles, psychodynamisches Kurzzeittherapieverfahren

Univ.-Prof. Dr. phil. Sylke Andreas, Dipl.-Psych

Die Psychodynamische Interpersonelle Kurzzeitpsychotherapie (Brief Dynamic Interpersonal Therapy, DIT) ist ein manualisiertes, zeitlich auf 16 Sitzungen begrenztes, psychodynamisch orientiertes Verfahren zur Behandlung von Patient:innen mit Depressionen und Angststörungen. Ein zentrales Merkmal der DIT ist die Identifikation und Bearbeitung eines interpersonellen-affektiven Fokus, der als zugrundeliegendes Muster der Symptomatik verstanden wird. In der mittleren Therapiephase wird dieser Fokus mithilfe von Mentalisierungstechniken sowie durch die Arbeit an der therapeutischen Beziehung – unter Einbeziehung von Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen – vertieft. Die Abschlussphase der Therapie wird durch einen gemeinsam von Therapeut:in und Patient:in verfassten Verabschiedungsbrief gestaltet. Im Workshop werden die Grundprinzipien der DIT anhand von Praxisbeispielen verdeutlicht und in die Methode eingeführt. 

Weiterführende Literatur

Lemma, A., Hepworth, M., Fonagy, P., Luyten, P., & Abrahams, D., Andreas, A. (Hg.) (2025). Brief dynamic interpersonal therapyPsychodynamische Kurzzeittherapie bei Depressionen und Angststörungen, Klett-Cotta. 

Über die Referentin

Prof. Sykle Andreas ist Psychologische Psychotherapeutin, Schwerpunkt psychoanalytisch-orientierte Psychotherapie, Mentalisierungsbasierte Psychotherapie, Dynamic Interpersonal Therapy, Supervisorin und Referentin an Ausbildungsinstituten in Österreich und in Deutschland. Sie ist Abteilungsleiterin für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse des Instituts für Psychologie der Universität Klagenfurt in Österreich und Leiterin der Psychotherapeutischen Forschungs- und Lehrambulanz der Universität Klagenfurt (PUK). 

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Workshop 2

Eine kurze Einführung in die Intensive Psychodynamische Kurzzeitpsychotherapie (ISTDP)

Prof. Dr. med. Matthias Michal

Die Intensive Short-Term Dynamic Psychotherapy (ISTDP) wurde vom Psychoanalytiker Habib Davanloo (1927–2023) entwickelt. Sie ist ein evidenzbasiertes psychodynamisches Verfahren mit über 200 Wirksamkeitsstudien, darunter 113 randomisiert-kontrollierte (http://reachingthroughresistance.com). Besonders gut belegt ist ihre Wirksamkeit bei Persönlichkeitsstörungen, funktionellen (psychosomatischen) Störungen und therapieresistenten Depressionen.

Das Wort Kurzzeit verweist weniger auf die Sitzungsanzahl als auf ein Prinzip schneller und tiefgreifender Veränderung. Ziel ist, in enger Zusammenarbeit mit dem Patienten symptomatische und strukturelle Fortschrittemöglichst rasch zu erreichen. Die Behandlungsdauer kann dabei stark variieren. Davanloo und nachfolgende Forscherinnen und Forscher – etwa Allan Abbass, Jon Frederickson, Patricia Coughlin, Leigh McCullough, Gerda Gottwick und Robert Neborsky – haben die Methode auf Grundlage von Videoanalysen, Patientenfeedback und Langzeitverläufen stetig weiterentwickelt.

Im Unterschied zu anderen psychodynamischen Verfahren werden in der ISTDP Abwehrmechanismen, Widerstände und Übertragungen aktiv bearbeitet, um verdrängte oder abgespaltene Gefühle zugänglich zu machen. Psychische Störungen werden als Folge von Abwehr und Angst vor unbewussten Affekten verstanden. Durch die gezielte Arbeit an Widerständen werden frühe emotionale Erfahrungen und Bindungstraumatisierungen bewusst und integriert. Die Interventionen orientieren sich am Strukturniveau des Patienten, und die Therapie erfolgt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, die aktive Veränderung im Hier und Jetzt fördert.

Ein Kern der ISTDP-Ausbildung ist die videobasierte Supervision, mit der Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse auf der Mikroebene sichtbar werden. Die Lehrbücher der Methode haben den Charakter prozessbasierter Manuale: Sie verbinden klinische Beobachtung, theoretische Einordnung und konkrete Interventionen. Zahlreiche Dialogbeispiele verdeutlichen den therapeutischen Prozess.

Der Workshop verfolgt drei zentrale Lernziele:
1. Das Konfliktdreieck verstehen – ein Schema auf Grundlage von Freuds zweiter Angsttheorie. Ein Stimulus, etwa eine Erinnerung oder eine aktuelle Interaktion, löst Gefühle aus, die Angst hervorrufen und abgewehrt werden. Symptome und Beziehungsprobleme sind Ausdruck dieser Abwehr und Angst. So entstehen etwa Selbstzweifel und Depressionen aus einer gegen das Selbst gerichteten Aggression.

2. Angstsymptome diagnostisch einordnen – Angst, die sich körperlich durch muskuläre Anspannung zeigt, gilt als gut reguliert, während Angst, die zu Denkstörungen, Übelkeit oder Migräne führt, eine Überschreitung der Affekttoleranz anzeigt.

3. Einblick in eine erste ISTDP-Sitzung gewinnen – anhand eines Lehrvideos (englisch mit deutschen Untertiteln) erhalten die Teilnehmenden einen anschaulichen Eindruck des therapeutischen Vorgehens.

Weiterführende Literatur

Tröndle, Paul (2005): Psychotherapie dynamisch – intensiv – direkt. Lehrbuch zur Intensiven Dynamischen Kurzpsychotherapie. Gießen: Psychosozial-Verlag. ISBN 978-3-89806-479-8.

Abbass, A. (2022). Widerstände überwinden: Fortgeschrittene psychotherapeutische Techniken (Übers. S. Griengl, S. Pfaundler, E. Quade & E. Steinmetz). Stuttgart: Kohlhammer Verlag. ISBN 978-3-17-037555-0. 

Gottwik, G., & Orbes, I. (Hrsg.) (2020). Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo (2. Aufl.). Heidelberg/Berlin: Springer Medizin Verlag. ISBN 978-3-662-59035-5.

Über den Referenten

Prof. Dr. med. Matthias Michal, ist apl. Professor für Psychosomatische Medizin, leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Er ist Dozent am Weiterbildungsstudiengang Psychodynamische Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und der Deutschen Gesellschaft für ISTDP. Am Weiterbildungsstudiengang leitet er aktuell zwei ISTDP-Grundkurse. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind die Depersonalisations-Derealisationsstörung, Psychokardiologie und allgemein psychosomatische Erkrankungen. Er leitet oberärztlich eine Station für Patienten mit schwerer Depersonalisation und anderen „therapieresistenten“ Störungen.

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Workshop 3

OPD-3 für die Behandlungsplanung

Dr. Miriam Henkel

Die Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik (OPD) ist ein multiaxiales Diagnosesystem, welches inzwischen sowohl in der psychodynamischen Forschung als auch in der psychotherapeutischen Praxis einen akzeptierten Standard darstellt. Die OPD beschreibt psychische Erkrankungen auf vier Achsen: Krankheitserleben und Behandlungsvoraussetzungen (Achse I), Beziehung (Achse II), Konflikt (Achse III) und Struktur (Achse IV). 2023 wurde eine überarbeitete Version, die OPD-3, vorgestellt. Die Überarbeitungen umfassen eine präzisere und stärker dimensional ausgerichtete Beschreibung der Achsen sowie eine stärkere Fokussierung des dynamischen Zusammenspiels der Achsen. Im Workshop wird die OPD-3 Diagnostik der Achsen Beziehung, Konflikt und Struktur anhand eines Fallbeispiels illustriert und mit den Teilnehmer:innen in Bezug auf die Anwendbarkeit für Berichterstellung und Behandlungsplanung diskutiert. 

Weiterführende Literatur

Henkel, M., Benecke, C., Volz, M., Cropp, C. & Spitzer, C. (2024). Veränderungen in der Konfliktpathologie während stationärer Psychotherapie und ihr Zusammenhang mit Symptomreduktion. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 70(3)266-282. http://dx.doi.org/10.13109/zptm.2024.70.3.266

Henkel, M., Benecke, C., Masuhr, O., Jaeger, U. & Spitzer, C. (2022). Reliabilität und Validität des OPD-Konfliktfragebogens bei stationären PsychotherapiepatientInnen. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 68(1)39-53. https://doi.org/10.13109/zptm.2022.68.1.39

Henkel, M., Zimmermann, J., Künecke, J., Remmers, C. & Benecke, C. (2018). Same same but different: Das Potential der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik für ein differenziertes Verständnis von Persönlichkeitsstörungen. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 66 (2), 1–11. https://doi.org/10.1024/1661-4747/a000346

Über die Referentin

Dr. Miriam Henkel ist aktuell Vertretungsprofessorin für Klinische Psychologie an der Universität Kassel. Sie ist Trainerin und Vorstandsmitglied der OPD. Sie forscht im Bereich der psychodynamischen Psychotherapiewirksamkeits- und prozessforschung, Indikationsforschung und zur OPD.

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Workshop 4

Migrationserfahrung und innere Konflikte – zwischen Differenzierung und Verflechtung in der therapeutischen Arbeit

TT-Prof. Dr. Eva M. Klein 

Migrationserfahrungen führen zu tiefgreifenden Veränderungen in biografischen, kulturellen und sozialen Bezügen. Sie können vorhandene innere Konflikte und frühere Beziehungserfahrungen (re-)aktivieren. Zugleich besteht das Risiko, dass sozio-strukturelle Aspekte und migrationsbezogene Stressoren als innere Konflikte missinterpretiert werden. In der therapeutischen Praxis kann es mitunter schwierig sein, migrationsbedingte Belastungen und psychodynamische Konflikte voneinander zu unterscheiden, was die psychodynamisch-diagnostische Einordnung erschwert. Eine bewusste Reflexion dieser Zusammenhänge ist entscheidend, um stimmige Interventionen abzuleiten sowie kulturelle, interpersonelle und intrapsychische Dynamiken angemessen zu berücksichtigen.

Ausgehend von theoretischen Impulsen und kurzen Fallvignetten werden die Teilnehmenden eingeladen, diese Dynamiken aus psychodynamischer Perspektive zu beleuchten und die Bedeutung kultureller, biografischer und struktureller Aspekte für das Konfliktverständnis zu reflektieren. Gemeinsam wird erarbeitet, welche Rolle diese Aspekte für die psychodynamische Fallkonzeption spielen. Dabei wird diskutiert, wie im Rahmen psychodynamischer Kurzzeittherapie ein Fokus entwickelt und Interventionen ausgerichtet werden können, um sowohl kultursensibel als auch konfliktzentriert zu arbeiten.

Die Teilnehmenden sind herzlich eingeladen, eigene Fallvignetten einzubringen, um die gemeinsamen Überlegungen praxisnah zu vertiefen. 

Weiterführende Literatur

Klein, E. M., Kasinger, C., Ernst, M., Brähler, E., Zara, S., Benecke, C., … & Kampling, H. (2025). Assessment of Personality Functioning Across Immigrant Groups – Measurement Invariance and Its Association with Mental Distress in a German Population-Based Sample. Journal of Personality Assessment, 1-12.

Über die Referentin

TT-Prof. Dr. Eva M. Klein ist Professorin für „Psychodynamische Psychosomatik“ an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg und Psychoanalytikerin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Zusammenhänge von Migration und psychischer Gesundheit, Fragen der Strukturdiagnostik sowie das Körperselbst. Sie erhielt 2025 den Deutschen Psychodynamik Preis in der Kategorie Early Career. 

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Workshop 5

Psychodynamisch-ressourcenorientierte Behandlung der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung

PD. Dr. Wolfgang Wöller 

Psychodynamisch-ressourcenorientierte Behandlung der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Der Workshop erläutert zunächst die Zusammenhänge zwischen Bindungs- und Beziehungstraumatisierungen und traumabedingten Schädigungen der Selbst- und Beziehungsregulation. Anschließend werden die Grundzüge eines ressourcenbasierten psychodynamischen Therapiekonzepts zur Behandlung der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung vorgesellt. Dieses umfasst ein Beziehungsangebot, das basale Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Orientierung, Bindung und Selbstwertschutz und Aspekte von Übertragung und Gegenübertragung berücksichtigt. Zentrale Elemente sind neben der Stärkung der Emotionsregulierung die symbolische Nachbeelterung verletzter kindlicher Persönlichkeitsanteile auf der inneren Bühne und schonende Techniken der Konfrontation mit traumatischen Erinnerungsfragmenten. 

Weiterführende Literatur

Über den Referenten

PD. Dr. Wolfgang Wöller ist psychodynamisch orientierter ärztlicher Psychotherapeut. Er ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie für Neurologie und Psychiatrie, Psychoanalytiker (DGPT, DPG), Lehranalytiker und EMDR-Supervisor. Bis Ende 2017 war ich Dozent für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Ärztlicher Direktor der Rhein-Klinik, einer Klinik für Psychosomatische Medizin in Bad Honnef bei Bonn. Seit 2018 ist er vorwiegend als Supervisor für Kliniken und Psychotherapeuten sowie als Berater und Trainer in Forschungsprojekten tätig. Seine Tätigkeit im Bereich der psychotherapeutischen Weiterbildung umfasst Vorträge, Seminare und Workshops auf nationaler und internationaler Ebene.

12:30 – 14:30 Uhr

Mittagessen

Vorabgestimmtes Menü

14:30 – 16 Uhr

Podium: Berufspolitische Zukunft der Psychodynamischen Psychotherapie

Univ.-Prof. Dr. phil. Sylke Andreas, Dipl.-Psych, PD. Dr. Med. Wolfgang Wöller, Julia Henke, Prof. Dr. Michael Reininger, Moderation: Dr. Adrian Kind

16 – 16:30 Uhr

Kaffeepause

16:30 – 17:30 Uhr

Verabschiedung

Vorstand der DFT

18 Uhr

Ende der Veranstaltung

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